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Die weltweite Umsatzentwicklung bleibt dagegen mit einem Plus von 5,9 Prozent auf dem guten Vorjahresniveau. Hochgerechnet auf dieser Basis ergebe sich fürs laufende Jahr ein Umsatzzuwachs der MedTech-Branche in Deutschland von 29,2 Mrd. auf 30,6 Mrd. Euro. Damit ist der Branchenumsatz seit 2009 von 20 Mrd. um 10,6 Mrd. gestiegen. Die Exportquote beträgt aktuell rund 65 Prozent.
Rund 72 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr im deutschen Markt mit einem besseren Umsatzergebnis als 2016. Trotz Mengensteigerungen aufgrund der demografischen Entwicklung und neuen Behandlungsmethoden ist dieser Wert aufgrund des starken Preisdrucks gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozentpunkte gesunken. Nur 22 Prozent erwarten in diesem Jahr verbesserte Gewinne, 33 Prozent gehen von einer rückläufigen Entwicklung aus. Die unterschiedliche Entwicklung im In- und Ausland spiegelt sich auch beim Ausblick auf 2018 wider: Für den deutschen Markt erwarten 34 Prozent eine bessere Geschäftslage, 20 Prozent erwarten schlech­tere Geschäfte. Etwas besser sieht es beim Blick auf die weltweite Geschäftslage aus: 52 Prozent der Unternehmen erwarten hier eine bessere Entwicklung, nur 6 Prozent erwarten 2018 schlechtere Geschäfte.

Innovationsklima-Index sinkt
Der „Innovationsklima-Index Medizintechnik“ des BVMed fiel im vierten Jahr in Folge von einem Wert von 6,2 im Jahr 2013 auf nur noch 4,5 in diesem Jahr (2016: 4,8 %). Als größte Hemmnisse für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen die Unternehmen die gestiegenen Anforderungen und die steigenden Kosten für den Marktzugang durch die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung sowie für die Erstattung durch die langen Nutzenbewertungsverfahren. „In der neuen Legislaturperiode sollten die Bewertungsverfahren daher verbessert und beschleunigt werden“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.
Trotz der angespannten Situation im Inland investieren die Unternehmen verstärkt in ihre deutschen Produktions­standorte. 26 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, 50 Prozent halten das Niveau. Bei den Forschungsausgaben erhöhen 29 Prozent der Unternehmen ihr Budget gegenüber dem Vorjahr, 45 Prozent halten das Niveau.
MDR als größtes Hemmnis
Als größtes Hemmnis für die Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen 65 Prozent der Unternehmen die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) an, die überaus kritisch beurteilt wird. Dies gilt auch für die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten durch die MDR sowie längere Zulassungszeiten durch Ressourcendefizite bei den Benann­ten Stellen. Als Folge der MDR-Implementierung befürchten 68 Prozent der Unternehmen, dass Produkte aus ökonomischen Gründen vom Markt genommen bzw. nicht auf den Markt gebracht werden. Knapp zwei Drittel der Unternehmen erwarten, dass die Kosten und da­mit auch die Preise der Medizinprodukte durch die MDR-Folgen steigen werden. Der Druck werde dabei insbesondere auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) steigen, sagen 56 Prozent der Befragten. Als größte Hemmnisse der nationalen Rahmenbedingungen werden der Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften (62 %) sowie innovationsfeindliche Einstellungen von Krankenkassen (50 %) bezeichnet.
Gesundheitspolitische Forderungen
Bei den gesundheitspolitischen Forderungen wünschen sich die MedTech-Unter­nehmen vor allem eine „Fortschritts­beschleunigung“. 49 Prozent fordern eine Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren, 42 Prozent eine aktive Beteiligung der Industrie an G-BA-Prozessen.
Im Hilfsmittelbereich sprechen sich die Unternehmen für Verhandlungsverträge statt Open-House-Verträgen oder Ausschreibungen aus. Die Verbandmittel-Unternehmen fordern zudem geschlossen eine Verbesserung der Versorgung chronischer Wunden.
Jobmotor stottert
Aufgrund der schwieriger werdenden Rahmenbedingungen gerät der Jobmotor Medizintechnik in Deutschland ins Stottern. Nur noch 44 Prozent der Unternehmen schaffen in diesem Jahr zusätzliche Jobs (Vorjahr: 66 %), 12 Prozent müssen sogar Arbeitsplätze abbauen. Die Berufsaussichten für Fachkräfte  sind dabei nach wie vor glänzend. 91 Prozent der Unternehmen halten die Berufsaussichten für unverändert gut bzw. besser. Gesucht werden vor allem Ingenieure (38 %), Medizintechniker (32 %) und Wirtschaftswissenschaftler (24 %). 88 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben (Vorjahr: 85 %). An der Spitze der offenen Stellen stehen Vertriebsmitar­beiter (61 %), gefolgt von Marketing und Kommunikation (36 %), Key-Account-Management (28 %), Regulatory Affairs (22 %) sowie Produktion (21 %). 76 Prozent der Unternehmen haben Probleme, die offenen Stellen zu besetzen (Vorjahr: 80 %). Das betrifft vor allem den Vertrieb (38 %), Regulatory Affairs (17 %), das Key-Account-Management (15 %), Führungskräfte im gehobenen Management sowie Marketing und Kommunikation (jeweils 14 %).
Nur 39 Prozent der MedTech-Unternehmen sehen sich derzeit von der Digitalisierung betroffen. Große Veränderungen erwarten sie durch elektronische Beschaffungsmaßnahmen, medizinische Apps und elektronische Rechnungen.
Basis der Umfrage
An der BVMed-Umfrage haben sich 106 Unternehmen beteiligt, darunter vor allem die größeren Hersteller von Medizinprodukten aus Deutschland und den USA. Es nahmen zu 73 Prozent Herstel-ler, zu 21 Prozent Handelsunternehmen, zu 4 Prozent Zulieferer sowie zu 2 Pro­zent sonstige Leistungserbringer teil. Sie haben ihren Hauptsitz zu 58 Prozent in Deutschland und zu 23 Prozent in den USA. Die restlichen kommen vor allem aus dem europäischen Ausland (18 %). Sie vertreten folgende Produktbereiche: Implantate (47 %), Hilfsmittel (35 %), OP-Produkte bzw. OP-Sets (33 %), Verbandmittel (19 %) und Dienstleistungen wie Homecare (14 %).
Ausgabe 11 / 2017
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Foto: Karolina Grabowska/Pixabay
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