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18. März 2024
Redaktion
Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen

Wie Sanitätshäuser grüner werden

Die Stiftung viamedica hat die Ergebnisse aus dem für das Bundesministerium für Gesundheit erstellten Gutachten „Ressourceneffizienz, Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – Eine Bestandsaufnahme“ (ReKlimaMed) veröffentlicht. Es bietet eine Übersicht zu aktuell umgesetzten Nachhaltigkeitsmaßnahmen in zahlreichen Bereichen des Gesundheitswesens – auch bei Sanitätshäusern.
Cartoon
Foto: Storyset/Freepik

Laut Gutachten  ReKlimaMed tut sich im deutschen Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit in weiten Bereichen bislang zu wenig. So gebe es in allen Teilbereichen der Branche nur wenige Unternehmen und Einrichtungen, die Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit umsetzen und zeigen, was möglich ist.

Für den Bereich der Hilfsmittelversorgung wurden neben Augenoptiker- und Hörgeräteakustiker-Betrieben auch 36 der deutschlandweit rund 4.800 Sanitätshäuser befragt.

Beispiel aus dem Sanitätshaus

Als Leuchtturmprojekt im Bereich der Sanitätshäuser wird die Fuß-Orthopädie-Technik Roman Eggs GmbH hervorgehoben. Sie sei als erstes und bisher einziges deutsches Unternehmen ihrer Branche EMAS-zertifiziert und wurde 2021 mit dem Deutschen Umweltmanagement-Preis ausgezeichnet. Das Unternehmen habe u. a. die Gefahrenstoffe bei der Herstellung von Fußbettleisten nahezu vollständig ersetzen können.

Maßnahmen, die in allen Bereichen gefunden wurden, seien die Einführung von LED-Beleuchtung, der Bezug von Ökostrom und die Umstellung auf E-Mobilität. Im Folgenden ein Auszug von Maßnahmen, die bei den befragten Unternehmen der Hilfsmittelbranche umgesetzt wurden.

Gebäudeenergie

  • Wärmeeffizienz,
  • Dachbegrünung,
  • Einbau dreifach verglaster Fenster.

Erneuerbare Energien

  • im Wärme- und Strombereich
  • Einbau einer Wärmepumpe, die im Sommer umgeschaltet werden kann, sodass sie den Boden kühlt,
  • Strom aus Wasserkraft bzw. Photovoltaik,
  • Bezug von Ökostrom.

Betriebliche Flotte

  • Hybridfahrzeuge,
  • E-Auto, E-Bike, E-Roller,
  • Dienstfahrten mit der Bahn.

Mobilität

  • Bereitstellung Stromtankstelle,
  • Bereitstellung eines Firmenfahrrads,
  • Jobtickets für den ÖPNV,
  • Kunden tanken kostenlos Strom.

Verbrauchsmittel

  • Nutzung von Bio-Putzmitteln,
  • regionaler und klimaneutraler Druck von Druckerzeugnissen,
  • Umstieg auf Recyclingpapier.

Nutzerverhalten

  • Kontrolle der Einhaltung betriebsbezogener Umweltvorschriften,
  • Schulung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit der Beschäftigten,
  • Ausgabe von Mehrwegbechern.

Nachhaltigkeitsmanagement

  • Bilanzierung der CO2-Emissionen,
  • Pflanzen eines Baumes für jeden Mitarbeiter,
  • Ernennung eines Umweltbeauftragten.

Zertifizierungen

  • EMAS-Zertifizierung,
  • Kompensation der CO2-Emissionen,
  • Zertifizierung als klimapositives bzw. klimaneutrales Unternehmen.

Abfallmanagement

  • Reduktion von Kunststoffen,
  • ökologisches Kassenpapier,
  • Abgabe und Sammlung von Druckerpatronen und Tonerkassetten,
  • Verwendung wiederverwendbarer Transportsysteme für die Anlieferung von Neuware.

Ressourceneffizienz

  • Wandverkleidung des Ladens aus upgecyceltem Palettenholz,
  • Bezug von Second-Hand Möbeln zur Ladeneinrichtung,
  • Ersetzen von 95 Prozent der Kunststoffgießmasse für Fußbettleisten durch Kork aus Recycling,
  • Wiederaufbereitung von Materialresten.

Papiereinsparung

  • Wiederverwendung von Verpackungsmaterialien zum Versand,
  • Digitalisierung der Buchhaltung,
  • Verwendung spezieller Software zur Bestellung mit entsprechenden Daten direkt an die Produktion.

Produkte aus recycelten Materialien

  • recycelte Textilien für Teppiche/Schaufensterdekoration.

Vorteile/Hemmnisse

Als Hemmnisse, sich stärker um Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit zu bemühen, wurden fehlende zeitliche und personelle Ressourcen genannt. Auch seien die Einzelhandelsgeschäfte überwiegend in angemieteten Räumlichkeiten in der Innenstadt oder in Krankhäusern untergebracht, weswegen selbstständig keine energetischen Gebäudesanierungen vorgenommen werden könnten.

Als Problem werde ebenfalls wahrgenommen, alle Informationen für eine CO2-Bilanzierung zusammenzutragen, beispielsweise vom Stromanbieter oder für manche Produkte. Dasselbe gelte für die Verwendung von überwiegend nicht recycelbaren Materialien.

Handlungsempfehlungen

Das Gutachten empfiehlt, mit einfach und schnell umsetzbaren Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit zu beginnen. Hilfreich seien z. B. die Vereinfachung und Digitalisierung möglichst vieler Prozesse, um Papier und durch Bürokratieabbau Ressourcen einzusparen. Bei manchen Bereichen, z. B. Energie, sei es ratsam, sich extern beraten zu lassen.

Auch sollten die Themen ökologische Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Geschäftsführung verankert, konkrete Ziele festgelegt und die notwendigen Maßnahmen gemeinsam mit dem Team umgesetzt werden. Checklisten zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen seien wichtige Hilfsmittel.

Fazit

Aufgrund fehlender zeitlicher und personeller Ressourcen würden noch zu wenig Maßnahmen zu Klimaschutz, Ressourceneffizienz und ökologischer Nachhaltigkeit umgesetzt. Es gebe einzelne sehr engagierte Akteure, die in Sachen Klimaschutz vorangehen und eine Vielzahl an Maßnahmen umsetzen, diese seien jedoch noch deutlich in der Minderheit.

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