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22. Dezember 2022
Redaktion
Internationale Leitmesse / Medizintechnik

Die Medica ist wieder durchgestartet

Zwiespältige Bilanz der Messe Medica in Düsseldorf: Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Aussteller um fast 50 Prozent auf rund 4.500 aus 70 Nationen und die der Besucher um 35.000 auf 81.000 gestiegen. Beide Werte liegen allerdings deutlich vor dem Corona-Niveau 2019, als über 5.500 Aussteller und 121.000 Besucher vermeldet worden waren. Die Messe Düsseldorf zeigt sich jedoch mit dieser „äußerst vitalen“ Entwicklung für die Medica und die Zulieferer-Messe Compamed (rund 700 Aussteller) angesichts „unverändert angespannter Rahmenbedingungen“ zufrieden.
Foto: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann
Die Medica findet 2023 vom 13. bis 16. November statt.

Geboten wurde eine Vielfalt an Neuheiten für eine moderne ambulante und klinische Versorgung – inklusive aller Komponenten, Produkte und Verfahren ihrer Entwicklung und Fertigung. Der Anteil internationaler Fachbesucher lag bei 75 Prozent, wobei nach den europäischen Ländern vorrangig auch Fachpublikum aus Südkorea, den USA sowie Indien und nordafrikanischen Ländern vertreten waren.

Deutlich sei geworden, dass Medizintechnik-Unternehmen in einem dynamisch sich verändernden Marktumfeld über Ländergrenzen hinweg passgenaue Lösungen für Kliniken sowie den ambulanten Bereich anbieten wollen. Hierzu setzten sie verstärkt auf Kooperationen in Fertigung, Vermarktung, Vertrieb und After-Sales-Services. Das vom Industrieverband Spectaris und der Cluster-Initiative Medical Mountains organisierte Medica Tech Forum bot einen Überblick zu relevanten Medizintechnik-Themen, wie Produktzulassung, Zertifizierung oder Ländermärkte.

Den Start-up-Wettbewerb hat Idoven aus Spanien mit einer Cloud-basierten, KI-gestützten Plattform für die EKG-Analyse gewonnen. Die Bandbreite der weiteren von Start-ups bei der Medica gezeigten Innovationen reichte von einem handflächengroßen System für die drahtlose Überwachung von Ungeborenen über konturanpassungsfähige Ultraschallköpfe bis hin zu Lösungen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI).

Trends bei Aussteller-Nationen

Eine MTD-Analyse der Austeller und Besucherzahlen der Jahre 2019, 2021 und 2022 ergibt, dass die Zahl der Medica-Aussteller aktuell zwar um fast die Hälfte (46 %) über 2021 liegt, aber noch um 19 Prozent unter dem Vor-Corona-Wert 2019. Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung der Top 5-Nationen: China hat gegenüber dem Vorjahr auf 656 deutlich zugelegt (+253 %), liegt aber noch 38 Prozent unter 2019. Deutschland rangiert mit 599 auf Platz 2, 15 Prozent über Vorjahr, aber 33 Prozent unter 2019. Es folgen die USA mit 348 (+37/–19 %), Italien 331 (+24 %/–9 %) und Südkorea 313 (+19 %/+12 %).

Bei der Compamed ist der deutsche Anteil mit 226 von 697 Beteiligungen überragend; es folgen die USA mit 75, die Schweiz mit 56, Frankreich mit 41 und Japan mit 40 Ausstellern. 2021 zählte die Compamed 495 und 2019 793 Aussteller.

Wirtschaftliches Klima für die Branche schwächt sich ab

Foto: MEDICA
Marcus Kuhlmann von Spectaris bei der Medica-Pressekonferenz.

Die allgemeine Wirtschaftslage drückt die Stimmung in der Medizintechnik-Branche. Die Umsätze steigen zwar leicht, doch die Ertragslage wird durch höhere Kosten getrübt. Für 2023 rechnet der Verband Spectaris trotz der Herausforderungen mit einem schwächeren Umsatzzuwachs als 2022. Dies erklärte Marcus Kuhlmann, Leiter der Medizintechnik im Industrieverband Spectaris, im Vorfeld der Medica. Neben dem Ukraine-Krieg wirkten sich auch massive Lieferkettenstörungen, die europäische Medizinprodukteverordnung MDR, steigende Material-, Energie- und Logistikkosten belastend aus.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen für Januar bis August 2022 für die deutsche Medizintechnikindustrie ein Umsatzplus von 4,1 Prozent aus; fürs Gesamtjahr 2022 rechnet der Verband mit 3,5 Prozent, was einem Branchenumsatz von 37,7 Mrd. Euro entsprechen würde. Bei einer voraussichtlichen Exportquote von knapp 67 Prozent wird im Inland ein Zuwachs von etwas mehr als drei und im Export von rund vier Prozent erwartet. Die Zahl der Beschäftigten könnte um rund drei Prozent auf mehr als 159.000 wachsen.

Laut ifo-Konjunkturumfrage (Stand Oktober) wird in der Branche mehrheitlich mit einer Verschlechterung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten gerechnet. 90 Prozent berichten von einer Produktionsbehinderung durch Materialknappheit, 40 Prozent durch einen Mangel an Fachkräften. Allerdings sieht Kuhlmann in Sachen MDR Bewegung auf EU-Ebene, was z. B. die Regelungen für Bestandsprodukte im Markt betrifft.

ZVEI: Deutsche Elektromedizin punktet im Ausland

C. Maurer Fachmedien/MTD Verlag GmbH

Die Anbieter für elektromedizinische Technik in Deutschland verzeichnen weiterhin ein Wachstum. Die Branche erzielt mehr als 70 Prozent ihrer Umsätze mit Kunden in den europäischen und internationalen Märkten, so Hans-Peter Bursig, Bereichsleiter Gesundheit und Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI. Das gesamte Auslandsgeschäft sei seit 2019 mit rund 15 Mrd. auf über 16,6 Mrd. Euro 2021 gestiegen.

Auch die Außenhandelsdaten für die ersten drei Quartale 2022 bestätigen den Trend für Elektromedizin „Made in Germany“: Der Exportwert ist jüngst von 11,4 Mrd. im Vergleichszeitraum 2021 auf 11,7 Mrd. Euro gestiegen. Wachstumstreiber seien der global stattfindende demografische Wandel, die digitale Transformation in der medizinischen Versorgung und die immer genauer am Bedarf der Anwender ausgerichteten Angebote der Industrie.

Veraltete medizinische Großgeräte behindern Digitalisierung

Foto: MEDICA
Auch Baden-Württemberg war mit einem Gemeinschaftsstand vertreten.

Der ZVEI Verband der Elektro- und Digitalindustrie beklagt eine veraltete Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland, die auch die angestrebte Digitalisierung des Gesundheitswesens behindere. Die Digitalisierungsstrategie Gesundheit und Pflege, die in Deutschland unter der Leitung des Bundesministeriums für Gesundheit entwickelt wird, müsse daher unbedingt die medizintechnische Ausstattung beachten und gezielte Investitionen für eine moderne und vernetzte Gesundheitsinfrastruktur angehen.

So habe sich die Altersstruktur medizintechnischer Geräte in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert. Über die Hälfte der Computertomographen in Deutschland seien laut einer Studie älter als sechs, 20 Prozent sogar älter als zehn Jahre. Ähnlich sehe es bei Röntgengeräten aus: Hier seien zwei Drittel älter als sechs, 30 Prozent älter als zehn Jahre. Damit moderne digitale Prozesse in der Gesundheitsversorgung flächendeckend angewendet werden könnten, müssten medizintechnische Geräte diese Prozesse auch unterstützen können. Geräte, die älter als sechs Jahre sind, könnten nicht optimal integriert werden.

Compamed: Miniaturisierung, Mobilität und Energieeffizienz

Moderne Medizintechnik für Diagnostik und Therapie muss zunehmende Anforderungen an Mobilität und Energieeffizienz erfüllen. Aus diesem Grund bleibt die Nachfrage nach Miniaturisierungslösungen von medizinischen Komponenten weiterhin auf einem hohen Niveau. Darauf verwies der IVAM-Fachverband für Mikrotechnik im Vorfeld der Zulieferer-Messe Compamed.

Beim IVAM-Gemeinschaftsstand lag ein Schwerpunkt auf Optik- und Präzisionstechnikunternehmen. Gezeigte Innovationen bezogen sich auf Mikrokomponenten, Sensoren, Aktoren und Sensorsysteme, Mikropumpen, Beschichtungen, smarte Textilien sowie Fertigungs- und Bearbeitungsverfahren und Dienstleistungen.

Foto: Karolina Grabowska/Pixabay
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