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12. Februar 2024
Redaktion
Austromed/Medizinprodukte-Branche in Österreich

Fachkräfte verzweifelt gesucht

Wie entwickelt sich die Arbeitswelt? Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen und welche Lösungen bietet dazu der aktuelle Arbeitnehmermarkt? Diese Fragen standen unter dem Titel „Jobs in Medizinprodukte-Unternehmen: sicher, relevant, sinnstiftend“ im Mittelpunkt bei den Herbstgesprächen 2023 der Austromed, der Interessenvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen.
Foto: Austromed/Sabine Klimpt
v. l. n. r.: Philipp Lindinger (Geschäftsführer der Austromed), FH-Hon.-Prof. Dr. Dr. Herwig W. Schneider (Industriewissenschaftliches Institut), Manuela Raidl (Puls4), Lena Marie Glaser (Juristin und New-Work Expertin, Gründerin und Geschäftsführerin von Basically Innovative) und Gerald Gschlössl (Präsident der Austromed).

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch. Junge Menschen fordern selbstbewusst ein wertschätzendes Betriebsklima, Teilzeitstellen und eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe.

Arbeitsmarkt im Wandel: Trends und Chancen

Lena Marie Glaser widmete sich in ihrer Keynote den aktuellen Trends am Arbeitsmarkt, wie sich die Arbeitswelt in Zukunft verändern wird und wie die junge Generation arbeiten will. Sie ist Juristin und New-Work-Expertin, Gründerin und Geschäftsführerin von Basically Innovative, dem Zukunftslabor für neues Arbeiten.

„Medizinprodukte-Unternehmen haben als Arbeitgeber großes Potenzial, denn junge Menschen suchen Sinn in ihrer Arbeit und genau diesen Sinn bietet die Branche. Dennoch ist ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel notwendig. Um nachhaltig Mitarbeiter gewinnen und halten zu können, ist ein Arbeiten auf Augenhöhe notwendig. Das verschafft Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Die junge Generation ist nicht faul, sondern will anders arbeiten. Partizipation, Kreativität und Wertschätzung sind die zentralen Faktoren des New-Work-Konzeptes“, so Glaser.

MT-Branche: Strategien gegen den Fachkräftemangel gesucht

Der Fachkräftemangel wird sich allein aus demografischen Gründen in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Margit Kreuzhuber von der Austrian Business Agency (ABA) stellte die internationalen Arbeitskräfte in den Mittelpunkt: „Wir müssen uns in Österreich mittlerweile intensiv darum bemühen, dass Arbeitskräfte zu uns kommen. Deshalb bewerben wir in der ABA-Abteilung ,Work in Austria‘ den Arbeitsstandort Österreich. Der aktuelle Fokus liegt derzeit auf Nicht-EU-Ländern und geht verstärkt in Richtung Übersee, wie z. B. Brasilien und Indonesien.“

Die ABA unterstütze Unternehmen, Fachkräfte und ihre Angehörige zudem bei allen Fragen rund um die Rot-Weiß-Rot-Karte (einen Aufenthaltstitel für Hochqualifizierte) sowie Leben und Arbeiten in Österreich.

Foto: Austromed

Der Attraktivitäts-Faktor

Günther Ogris, Mitgründer des SORA-Instituts, erläuterte die Attraktivität Österreichs für junge Menschen aus Mittel- und Osteuropa: „Es gibt nicht die eine Jugend Österreich, sondern viele unterschiedliche junge Menschen. Österreich ist ein Magnet für junge Menschen, die hier ihre Ausbildung und Karriere vorantreiben wollen. Die Jugendlichen – stark geprägt von den aktuellen Krisen – haben sehr unterschiedliche Startbedingungen. Die Politik hätte die Möglichkeit, Steine aus dem Weg zu räumen.“

Außerdem wies Ogris darauf hin, dass in der modernen Arbeitswelt die körperlichen Belastungen durch Automatisierung abnehmen, während die psychischen Belastungen deutlich zunehmen. Er betonte, dass gezielte Maßnahmen zur Prävention von Burnout und Berufs­unfähigkeit nicht nur dazu beitragen können, diesen Herausforderungen zu begegnen, sondern auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Erfolgreiche Talentsuche – aber wie?

„Junge Talente fragen ganz intensiv nach dem Sinn bei der Arbeit, den die Medizinprodukte-Branche durchaus bieten kann. Was allerdings besonders für Start-ups frustrierend sein kann ist, dass die tollsten Technologien trotzdem nicht zum Einsatz kommen, weil das System so rigide ist. Hier könnten die Großen in der Branche viel beitragen, indem sie mehr mit Start-ups zusammenarbeiten“, so Irene Fialka, CEO von INiTS – Vienna’s High-Tech Incubator.

Es würde der ganzen Branche guttun, wenn es für die Talente mehr Möglichkeiten gäbe, einmal in einem großen Unternehmen und dann wieder in einem Start-up zu arbeiten. „Was uns leider in Österreich besonders schlecht gelingt, ist, mehr junge Frauen in die für die Medizinprodukte-Branche wichtigen Ausbildungspfade und Studienrichtungen zu locken. Mehr Diversität würde ebenfalls Start-ups und Corporates guttun und für mehr Resilienz sorgen“, betonte Fialka.

Medizinprodukte-Branche hat viel zu bieten

Gerald Gschlössl, Präsident der Austromed, betonte die vielfältigen Möglichkeiten: „Die Medizinprodukte-Branche bietet ein sehr breites Feld an Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter, sei es als Techniker, Marketer, Jurist, im Kundenkontakt etc. Unsere Branche ist innovativ, dynamisch und für den Menschen da. Solange wir als Gesellschaft in die Gesundheit investieren, ist sie auch wachstumsorientiert.“

Steigende Lebenserwartung und steigende Ansprüche an qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung sowie der medizinisch-technische Fortschritt sorgten für sichere Jobs in einem innovativen Umfeld. Beschäftigte in der Medizinprodukte-Branche und Medizinprodukte generell seien systemrelevant und unverzichtbar, das habe zuletzt die Pandemie verdeutlicht. Sein Fazit: Ein Job in einem Medizinprodukte-Unternehmen bietet eine sinnvolle Tätigkeit, die einen essenziellen Beitrag leistet, Menschenleben zu retten und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

Medizinprodukte-Branche – starker Motor für Österreichs Wirtschaft

Prof. Dr. Dr. Herwig W. Schneider (Industriewissenschaftliches Institut) präsentierte die neuesten Ergebnisse der Studie „Medizinprodukte-Unternehmen – Innovationen in einem dynamischen und komplexen Marktumfeld“.

Das Fazit der Studie: Die Medizinprodukte-Unternehmen stärken die heimische Wirtschaft in hohem Maße. Sie generieren eine Wertschöpfung von 5,5 Mrd. Euro und sichern rund 62.000 Arbeitsplätze in Österreich. „Jeder Mitarbeiter in einem Medizinprodukte-Unternehmen sichert mindestens einen weiteren Arbeitsplatz“, führte Schneider aus, der auf die große Bedeutung des „Humankapitals“ verwies: „Die Kombination aus jungem Wissen und Erfahrungsschatz birgt gerade für den Arbeitsmarkt unglaubliches Potenzial.“

 

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