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24. Juni 2024
Redaktion
Modellprojekt

Medizinische Hightech-Diagnostik „to go“

CT, Röntgen-, Ultraschall-, EEG-Untersuchungen und mehr könnte es für Pflegeheim-Bewohner bald vor Ort, direkt am Pflegeheim, geben. Ermöglichen soll das eine Mobile Geriatrie Unit (MGU), ein mit modernster Medizintechnik ausgestattetes Fahrzeug. Das bundesweit einmalige Modellprojekt, das aktuell im Saarland läuft, wird vom G-BA mit mehr als 8 Mio. Euro gefördert.
Fotomontage: Team Faßbender
So ähnlich soll die Mobile Geriatrie Unit aussehen.

Im Saarland gibt es derzeit 160 Pflegeheime, darin leben rund 9.000 Menschen, die häufig dement oder in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Wenn diese Magen-Darm-Beschwerden haben, unklare Bewusstseinsstörungen aufweisen oder trotz Gehhilfe stürzen, werden sie meist für mehrere Tage ins Krankenhaus eingewiesen.

„Der Transport in die Klinik und die fremde Umgebung sind für diese Menschen sehr belastend und führen häufig zu weiteren Komplikationen wie Verwirrtheitszustände, Depressionen oder Wundliegen“, sagt Klaus Faßbender, Professor für Neurologie der Universität des Saarlandes und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Um das Leid der betagten Patienten zu lindern und die Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten, hat Prof. Faßbender ein umfangreiches Konzept für die mobile Diagnostik von Pflegeheimbewohnern erarbeitet.

G-BA fördert das Modellprojekt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterstützt im Rahmen eines dreijährigen medizinischen Versorgungsmodells die Entwicklung des passenden Fahrzeugs mit technischer Diagnostik, das an saarländischen Pflegeheimen testweise eingsetzt werden soll mit insgesamt über 8 Mio. Euro Fördermitteln.

Prof. Faßbender und sein Team greifen dabei auf Erfahrungen mit einem ähnlichen Modell zurück, ein Schlaganfall-Rettungswagen (Mobile Stroke Unit), der mit CT und Laborgeräten ausgestattet, seit 2008 im Einsatz ist.

Komplette MT-Diagnostik an Bord

„Wir werden jetzt einen Lkw mit einem Computertomographen, einem Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor ausstatten. Konzepte wurden im Vorfeld mit einer Homburger Firma ausgearbeitet. Diese sogenannte Mobile Geriatrie Unit (MGU) wird künftig von Fachärzten, Medizinisch-Technische Radiologie- Assistenten und Rettungssanitätern begleitet“, erklärt Faßbender.

Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten sollen über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie im Universitätsklinikum übermittelt werden. Das Fachpersonal werte dann die Befunde aus und stelle sie zeitnah den überweisenden Hausärzten zur Verfügung, damit diese ihre Patienten im Pflegeheim weiter versorgen können.

„Wir stärken damit die Haus- und Fachärzte vor Ort und entlasten die Krankenhäuser, die damit mehr Zeit für schwerwiegendere Notfälle haben“, unterstreicht Prof. Faßbender. Er hofft, dass bis zum Sommer alle technischen und rechtlichen Hürden genommen sind und das Fahrzeug an saarländischen Pflegeheimen zum Einsatz kommt.

Derzeit prüfe man an einer großen Zahl saarländischer Heime die Zufahrten und technischen Gegebenheiten, insbesondere die digitale Erreichbarkeit, damit die Patienten zeitnah von der neuartigen mobilen Diagnostik profitieren können.

Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländischen Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen sowie die verschiedenen Institute der Universitätsklinik.

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Foto: Karolina Grabowska/Pixabay
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